Der Bestand von etwa 80.000 Objekten wird von fünf Restaurierungswerkstätten betreut, die sich in die Bereiche Stein, Keramik, Metall, Holz einschließlich anderer organischer Materialien und Papyrus aufgliedern. Die Restauratoren sind verantwortlich für die Betreuung der Objekte während der Lagerung, Ausstellung und Leihverkehr. Zur Öffentlichkeitsarbeit gehören Führungen in Werkstätten und Depots sowie die Betreuung von Besuchern, die an Originalen forschen. Derzeit bereiten die Restauratoren eine für 2009 geplante Ausstellung "kulturGUTerhalten" vor.
Steinrestaurierung
Die umfangreichste Materialgruppe in der ägyptischen Sammlung bilden die Steinobjekte. Diese Objekte umfassen verschiedenste Sorten von Sediment- (Kalkstein, Sandstein, und Alabaster) und Hartgestein (Granit, Diorit, Gneis, Quarzit und Grauwacke). Statuen, Stelen, Reliefs, Architekturteile, Kult- und Gebrauchsgegenstände, welche entweder steinsichtig oder in farbiger Fassung erhalten sind. Je nach Größe der Objekte variieren ihre Gewichte von wenigen Gramm bis zu mehreren Tonnen. Ausgehend von Zustand und Schadensbild werden die Stücke nach eingehender Voruntersuchung und unter Einbeziehung neuester Forschungsergebnisse dokumentiert, konserviert und restauriert.
Keramikrestaurierung
In dieser Werkstatt werden Objekte aus silikatischen Werkstoffen bearbeitet, vorrangig bemalte und unbemalte Töpferware, weiterhin Silikatkeramik (Fayence), Glas, Glasur und andere Objekte aus Ton oder Lehm. Die betreuten Sammlungsbereiche umfassen Gefäße und andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Figuren wie Uschebtis, Götter und Tierdarstellungen, Ziegel, Siegelabdrücke und Schmuck. Die präventive Konservierung, zum Beispiel die Sicherung von instabilen Oberflächen, die Reinigung, die Zuordnung und die Zusammenfügung von diversen Objektfragmenten steht im Vordergrund einer umfassenden Überarbeitung des gesamten Depotbestandes. Restaurierungen an einzelnen Objekten oder Objektgruppen beginnen mit materialtechnischen Untersuchungen und schließen Stabilisierung, Festigung, Reinigung, Entfernung von Altrestaurierungen, Rekonstruktion und Ergänzungen ein. Die Betreuung von Praktikanten oder Diplomanten ist nur in Zusammenarbeit mit anderen Werkstätten des Museums möglich.
Metallrestaurierung
Die Metallobjekte des Ägyptischen Museums umfassen Statuetten, Kleinplastiken, Kultgegenstände, Schmuck, Geräte und Werkzeuge, die im Zeitraum von 3.000 vor bis 300 nach Chr. entstanden und über Ausgrabungen, Schenkungen, Ankäufe an das Museum gelangten. Sie bestehen aus Kupferlegierungen, Edelmetallen, Eisen und verschiedenen Nichteisenmetallen und Materialkombinationen, die auch Leder und Holz beinhalten. Hohes Alter und schädliche Fundbedingungen verursachten bei vielen Objekten Korrosions-erscheinungen, Versalzungen und Versprödungen, die deren Stabilität erheblich reduziert. Manche Objekte sind nur fragmentarisch erhalten. Historische, teils unsachgemäße Sicherungsmaßnahmen sind oft Grundlage erneuter chemischer und elektrochemischer Prozesse, die ihrerseits zu zusätzlichen Materialschäden führen. Die vielschichtige Zusammensetzung und Schädigung der Metallobjekte erfordert komplexe Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen.
Holzrestaurierung
Die Holzobjekte bilden innerhalb des Ägyptischen Museums die umfangreichste Materialgruppe, deren bekannteste Beispiele unbemalte Mumiensärge, Skulpturen und Mumienporträts sind. Eine weitere große Materialgruppe bilden die bemalten Kartonagen aus mehrlagigen Textil- und Papyrusschichten, die zur Verzierung von Mumien verwendet wurden. In diesen Kontext gehören auch menschliche und tierische Mumien. Weiterhin gibt es Gegenstände aus Elfenbein, Knochen, Perlmutt, Leder und Wachs sowie pflanzliche Nahrungsmittel und Textilien. Aus bemaltem Stuck und Nilschlamm bestehen unsere Fragmente der Boden- und Wandverzierungen. In der Holzwerkstatt liegt die konservatorische und restauratorische Betreuung der vielfältigen organischen Materialien in einer Hand. Der Bestand an Textilien wird in Zusammenarbeit mit der Textilrestauraierung der Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst betreut. Die Werkstatt bietet Praktikumsplätze und die Betreuung von Diplomarbeiten an.
Papyrusrestaurierung
Die Papyrussammlung mit einem Bestand von über 35.000 Handschriften ist weltweit eine der größten Sammlungen dieser Art. Über 40 Jahre wirkte hier der Begründer der Papyrusrestaurierung Dr. h. c. Hugo Ibscher und später auch sein Sohn, Dr. Rolf Ibscher. Neben Papyrus gibt es in der Sammlung eine Reihe weiterer Beschreibstoffe wie Pergament, Leder, Papier, Holz- und Wachstafeln sowie Tonscherben und Kalksteinsplitter. Der unterschiedliche Erhaltungszustand der Papyri resultiert aus ihrer komplexen Fundsituation, wie zum Beispiel antiken Mülldeponien oder Grablegungen. Bei der Restaurierung müssen zersetzend wirkende Tinten und Pigmente sowie historische Behandlungen berücksichtigt werden. Die restauratorischen Arbeiten reichen von umfassenden Sicherungsmaßnahmen bis hin zur Rekonstruktion fragmentarisch erhaltener Texte. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Erschließung neuer Texte durch die Auflösung von Papyruskartonagen. Diese bestehen aus Papyrusdokumenten, die zur Herstellung von Mumienmasken wieder verwendet wurden.
Allgemeine Informationen zur Restaurierung in den Staatlichen Museen zu Berlin
